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Samstag, 17. November 2018

Für Kaltblüter zu kalt



Da denkt man nichts Schlimmes und hat das Fenster im Schlafzimmer auf. 
Wir sind jetzt im November, im November Blues, wo alles dunkler aussieht als in anderen Monaten. 

Also habe ich mal frische Luft reingelassen. 

Sauerstoffreicher Schlaf soll ja schöner machen, hoffe ich und lüfte regelmäßig. Nun und da liegen dann auch mal Kleidungsstücke auf dem Sessel oder auf der Wäschekommode. Und von dort hatte ich mir nun eine Strickjacke geholt und angezogen. 

Ich hatte mich dann aufs Sofa zurückgezogen, Fernseher an und mich unter meine Wolldecke mit den schönen Schafmotiven gelegt. Eine Decke, die ich immer vor den Katzen in Sicherheit bringen muss, sonst bekomme ich keinen Zipfel davon ab. 

Man wundert sich wie schwer sich ein 4 kg Kater machen kann, wenn er jetzt diese sogenannte Schafmotiv- Kuscheldecke für sich allein anstrebt. Gefühlte 100 kg. 
Aber dieses Mal hatte ich Glück und war als erster an und unter der Decke. Also hatte ich einen schönen warmen Fernsehabend. 

Dann wurde es Zeit fürs Bett. Ich ab ins Bad und Strickjacke aus. Und da war es. Ein dicker Fusel zwischen meinen Busen. 


Och, nur ein Fusel, so mein erster Gedanke. 
Dann der zweite Gedanke, wieso hat der Beine? 
Dann der dritte Gedanke, sch… nicht aufregen! 
Ich hatte noch nie so eine schnelle Gedankenfolge. 

Tief Luft holen, das kann nur eine Spinne sein. Was mache ich nun? 
Töten war kein Grund, sie hatte mir nichts getan, nur einen warmen Platz gesucht und gefunden. 

Sie machte ihre Beine länger und ich sah, sie hielt sich sehr gut fest. Die Spinne wollte ihren Platz nicht freigeben. Auch so was mit 100 kg und nicht wegbewegen können, dachte ich. 

Ich ließ aber nicht mit mir reden, denn mit mir ins Bett sollte sie nicht!

Also raus damit.

Tiere gehören raus. 
So war mein naiver Gedanke, aber das sah die Spinne anderes. 

Ich mache die Haustür auf oder besser gesagt ich war dabei die Tür zu öffnen, da rennt und springt die Spinne an mir herunter auf den Boden und schwupp weg ist es. 

Und zwar sehr gezielt unter den Schuhschrank. So als ob alle Spinnen wissen, dass man Schuhschränke nie bewegt. 
Nach dieser spinnen-schnellen Aktion, die schneller war als meine Gedanken sich finden konnten, fing ich laut an zu lachen. Die Spinne hatte sich bestimmt nicht durchs offene Fenster ins Warme begeben, um dann wieder nach draußen verfrachtet zu werden. Erst recht nicht nach diesem schnuckeligen Sofaabend. 

Nun erklär mir mal einer, eine Spinne ohne Hirn wäre es doch egal gewesen, oder? 

Aber diese wusste genau was sie tat und das sie auf keinen Fall wieder zurück in die Kälte wollte. Nach solchen tierischen Begegnungen überkommt mich immer ein Gefühl der Unsicherheit. 

Ich weiß gar nichts über Spinnen! 

Dabei haben die, wie sich mir gerade offenbart wurde, ein eigenes selbstbestimmtes Leben! 

Und ich peinlicher Mensch halte sie einfach nur für leere Kaltblüter aus Chitin und Kalk die knacken, wenn man drauf tritt. 

Was sind wir Menschen doch ekelhaft!



Einen Tag später war die -nächste- Spinne vor der Tür und wollte rein ;-))


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